Der rote Wedding

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Heute ist Singerrunde auf Etage 6. Ich schnappe mir die Liederhefter, den CD-Player und fahre ganz nach oben. In der Wohnküche sitzen die meisten an ihren Plätzen. Sie lächeln, blättern in den Boulevardzeitschriften oder schauen teilnahmslos geradeaus. Ich starte mit: „Du kannst nicht treu sein.“ Nach einigen Liedern macht sich Frau H. über Frau F. lustig. Sie ahmt sie nach und beschwert sich darüber wie fürchterlich sie singt.

Frau F kontert zurück und sagt: „Du hast nichts im Kopf“, worauf Frau H noch aggressiver wird. Nach einer lauten Ermahnung beruhigt sich Frau H und singt brav die Stimmungs- und Schunkellieder weiter.

„Können Sie mich auf Toilette bringen?“ fragt sie einige Minuten später. Ich schicke den Praktikanten in das Büro der Pflegekräfte. Währenddessen wird sie immer lauter. Ich versuchte sie zu beruhigen und ihr zu erklären, dass wir von der Betreuung niemanden aus dem Rollstuhl nehmen und auf Toilette setzen.

Der Praktikant kommt wieder und sagt, dass es noch etwas dauern kann. Er setzt sich an den Tisch und stimmt mit ein. Frau H. hält sich zurück und wartet mehr oder weniger ungeduldig bis Schwester K. kommt und sie mitnimmt.

Ich verteile Getränke und unterdessen werden die Leute unruhig. Frau P setzt mit einem merkwürdigen Gesang ein. „Halt die Klappe“, schimpft die Nachbarin augenblicklich von Gegenüber.

Im geschützten Wohnbereich ist das Arbeiten nicht immer einfach. Die Demenz lässt die Menschen aggressiv oder unkontrolliert in ihrem Verhalten werden. Sie schütten die Becher aus oder klappern mit ihren Händen auf den Tischen, sie legen ihre Brillen in das Saftglas oder klauen mir das Telefon. Die Betreuung ist besonders gefragt, sonst geht es hier schlimmer, als im Zirkus zu.

 Erstaunlicherweise stört der Zirkus den Schülerpraktikanten nicht. Ihm gefällt es hier und neulich hat er mir verraten, dass er dachte, dass alte Menschen generell nicht gut drauf sind. 

Ich beginne wieder mit Singen, ich tue so als ob, da meine Stimme heute nicht sonderlich in Form ist. Ich bewege die Lippen zur Musik, die von CD kommt. Keiner bemerkt es. Die mich anschauen, schenke ich einen aufmunternden Blick. Ich bin geübt, inzwischen arbeite ich hier schon fast drei Jahre, da weiß man auf was es ankommt.

Zwischen den Liedern unterhalte ich mich über den Wedding. Ich sage der Wedding war ja immer ein Arbeiterbezirk. Prompt kommt die Bestätigung der rote Wedding. Da sind die meisten geboren und groß geworden. Mir hat einmal ein Mann erzählt, wie er im Winter mit Skiern die Müllerstraße runtergefahren ist. Frau N sitzt direkt neben mir, die ganze Zeit war sie abwesend, doch jetzt schaut sie mich mit großen Augen an. Sie streckt ihre Hand in Richtung meines Arms. „Sie sagen das so kühl, der Wedding.“ Sie hat mich erwischt. Es kann sein, dass eine gewisse Abfälligkeit in meiner Stimme lag. Ich bin kein Weddinger und auch kein Wedding Fan. Sogleich tut es mir leid, denn der Wedding war bestimmt in der Zeit der Bundesrepublik ein toller Bezirk und heutzutage wird in manchen Ecken vom Wedding Kunst und Kultur zelebriert, die es in anderen Bezirken nicht mehr gibt. Ich entschuldige mich, sage etwas in der Art. „Das war nicht so gemeint. Der Wedding ist klasse und ja, ich habe auch schon mal im Wedding gewohnt.“ Sie lächelt und zum Schluss singen wir zusammen: „Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind…“

 

 

 

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Kurzgeschichten

 

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Bei der letzten Improtheaterprobe hieß die Aufgabe zwei Geschichten zu erzählen die erstunken und erlogen sind, sowie eine Geschichte, in der nichts als die Wahrheit gesprochen wird.

1.      Vor Kurzem traf ich eine Frau, die wissen wollte, wie sie zum Ärztehaus kommt. Ich erläuterte ihr den Weg dahin. Sie bedankte sich überschwänglich, nahezu übertrieben. Es machte den Anschein, als würde sie sich jeden Moment auf den Boden stürzen und meine Füße küssen. Ich wunderte mich darüber, denn die meisten Leute sind heutzutage hinsichtlich Höflichkeit etwas zurückhaltend.

2.      Ich war vor ungefähr vor zwei Jahren mit dem Kleenen und meiner Mutter in den Gärten der Welt. Dort wollten wir mit der Seilbahn fahren, nur der Kleene entschied sich dagegen. Er hatte furchtbare Angst abzustürzen. So ließ ich ein Machtwort ertönen und zwang ihn in die Kabine. Während sich diese in die Luft erhob fing er an zu hyperventilieren. Ich sagte er soll damit aufhören und schaute ihn mit strengem Blick an. Er überlegte kurz und ließ es bleiben, zunehmend bemerkte er, dass er diese Fahrt überleben würde. Auf dem Rückweg hatte er sogar Spaß daran.

3.      Ich hatte ein Paket bei einem Internetverkäufer bestellt. Im Postkasten fand ich eine Karte und ging damit zu den Nachbarn. Diese waren überrascht und sagten, dass sie kein Paket für mich hätten. Ich schaute bei der Sendungsverfolgung nach. Dort hieß der Nachbar eins nicht Nachbar eins, sondern zwei. Es handelte sich um eine im Haus lebende Person, jedoch war damit nicht die Person gemeint, die auf der Karte stand. Der Paketlieferer hatte in der Eile einen ganz anderen Namen auf die Erinnerungskarte geschrieben. Trotz dieses kleinen Missverständnisses hat das Paket mit seinem Inhalt mich überaus erfreut.

Was stimmt denn nun? Über das Rätselraten, weitere lustige Improspiele oder Kommentare dazu, freue ich mich. 🙂

 

 

Traffic Berlin

U -Bahn

Es ist Juni und es ist warm. Die Leute sind kurzweilig gekleidet. Sie tragen Tops und kurze Hosen, Miniröcke oder lange Kleider. Ein Mann betritt die U-Bahn mit einem weißgerippten Unterhemd. Die Haare daneben, kräuseln sich auf der nackten Haut. Seine Nacktheit ist ihm egal, er liest gelassen in der Zeitung. Niemand stößt sich an seinem Äußeren und ich denke nur, dass ich auf keinen Fall neben ihm sitzen und in Kontakt mit Haut und Haaren kommen möchte.

Der Obdachlose, der am U-Bahnhof seine Zeitungen verkauft, hat auch die Kleidung und den Haarschnitt verändert. Die Locken hat er abgeschnitten und auch er hat ein graues Unterhemd an. Scheinbar sind Unterhemden diesen Sommer Up to Date.

Auf dem Weg nach Hause springe ich am U-Bahnhof Gesundbrunnen in die S-Bahn, die Signallampe leuchtet rot, ich höre den Ton, der sagt, dass die Tür schließt. Hinter mir springt eine Frau in die Bahn und ein weiterer Mensch. Während des Springens schließt die Tür. Der junge Mann rettet sich in das Abteil, nur klemmt ein äußerer Zipfel seiner Jacke dazwischen. Er zieht daran, doch dieser ist fest verankert. Unumstößlich gefangen zwischen den Türen. Die Bahn fährt los. Der junge Mann schafft es sich zu entkleiden, nun hängt nur noch die Jacke lose herunter. Er glaubt an der nächsten Haltestelle wird sich die Tür öffnen und er kann das kleine Malheur vergessen. Einfahrt Schönhauser Allee. Hier gibt es nicht vier Gleise, sondern nur zwei. Die Türen auf der gegenüberliegenden Seite öffnen sich und die Jacke klemmt noch immer fest. Er ist überrascht, denn er hatte mit einem Wendepunkt gerechnet, mit der Freiheit seiner Jacke, wieder Herr über Hab und Gut zu werden. Er wird unsicher, soll er die Bekleidung zurücklassen oder noch eine Runde mit der Ringbahn fahren, bis er am Bahnhof Gesundbrunnen angelangt ist?

Leider werde ich nie herausfinden welchen genialen Plan der junge Mann in die Tat umgesetzt hat, denn ich bin S-Bahnhof Prenzlauer Allee ausgestiegen.

Schneelandschaften

 

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In Sachsen ist Winter. Am letzten Wochenende hatte es geschneit, dreißig Zentimeter. Die Fahrt von Berlin nach Dresden gab ein zunehmend verändertes Landschaftsbild wieder. Ab dem Spreewald bedeckte der Schnee zart die Wiesen und Felder. Zunehmend verdichtete sich das Weiß im Dresdner Raum und die Dächer und Kuppel der orthodoxen Kirche wirkten märchenhaft.

Kurz nach der Ankunft und dem traditionellen Kaffeetrinken hieß es raus in den Schnee. Der Kleene der mittlerweile im Teenageralter ist, verweigerte sich aus Unwissen und obligatorischen Trotz gegen eine Schneehose und gute Winterschuhe, die etwas mehr abhielten, als die modischen Sneakers. Das Unheil blieb nicht aus, der Schnee suchte sich seinen Weg in die Schuhe. Er jammerte ein wenig, versuchte den Schnee zu entfernen, wünschte einen Schuldigen zu finden, jammerte wieder. Irgendwann gab er auf, vergaß die Nässe und gab sich ganz dem Schnee hin. Zusammen mit den Kindern meiner Schwester fuhren wir durch die beginnende Nacht. Wir ließen uns nicht aufhalten, der Schnee leuchtete blau, die Hügel zogen sich sanft hin und die Schanze am unteren Ende der Rutschbahn forderte akrobatische Sprünge ein. Das Kinderschreien mischte sich mit der unglaublichen Stille. Der Schnee verschluckte den Lärm, machte aus einem unruhigen einen friedlichen Tag.

Zum Abend schlief der Kleene vor dem Fernseher ein. Der Schnee hatte ihn schläfrig gemacht, er hatte ihn mit seiner Schönheit ummantelt. Ich schlug am Ende des Tages Träumen von Karl Ove Knausgard auf und begab mich in die sentimentalen Beschreibungen der norwegischen Landschaft. Doch nicht lang und ich wurde in die Ernsthaftigkeit des Lebens zurückgeschleudert. Knausgard schrieb im letzten Abschnitt des Buches von dem Tod des Vaters, dem Rückzug von seiner Ehefrau und der Untreue. 

Der Tag war voller Schönheit und Spannung, der Schnee des Vergessens und das Aufgeschreckt werden mit Karl Ove Knausgard, der das Leben in seiner ganzen Klarheit beschreibt.

Lust auf Krimi im Sommer?

Im Juni habe ich den Krimi „Dunkles Schwesterherz“ bei Amazon veröffentlicht. Es war nicht unbedingt einfach neben der Arbeit zu schreiben, zu korrigieren und wieder zu schreiben. Ich hoffe, dass es ein interessantes und spannendes Buch geworden ist. Falls nicht, lasst es mich wissen – ich freue mich und bin dankbar über jede Rezession oder persönliches Feedback. Momentan gibt es das Buch als E-book für den Kindle Reader, später dann als Papierausgabe. Im großen und ganzen sind die ersten drei Monate eine Art Testphase. Geschmäcker sind verschieden und ich bin mir sicher, dem einen gefällt es und dem anderen ist es eventuell zu einseitig oder zu düster. Also probiert es aus, wenn Ihr Lust auf Krimi im Sommer habt schaut einfach mal im kindle book shop bei Amazon vorbei!

Angela und alle

ALLE

Angela Merkel ist Kanzlerin und alle meckern. Ich finde es hat etwas Vertrautes. 12 Jahre ist sie jetzt an der Macht. Mit der Merkel im Rücken ist der Kleene aufgewachsen, sie ist für ihn eine zweite Mutti geworden. Manchmal verwechselt er mich mit ihr, dann ruft er Mutti und meint doch Mama und dann will er Themen besprechen, wie die Flüchtlingspolitik und warum der Spahn jetzt Minister geworden ist. Ich zucke mit den Schultern und sage: „Ich bin nicht die, die du denkst die ich bin oder ich bin die, die du denkst, die ich nicht bin. Mache dich auf in den Elysee Palast, denn bei Macron ist sie ein gern gesehener Gast.“

Aber warum nach Frankreich“, fragt er mich dann, „sie wohnt in Berlin und sie ist für uns da, für uns alle.“

Sie ist für alle da, nur mit „alle“ sind die besser Betuchten gemeint. Der ungeliebte Pöbel, Harz 4 Empfänger und die normal arbeitenden Angestellten, die sich mit ihren zwei bis drei Kindern, die Mieten in den großen Städten kaum noch leisten können, sind damit nicht gemeint. Sie sind eher alle, als alle.

In den 12 Jahren der Kanzlerschaft hat der Sohn gelernt, dass er am besten die Probleme aussitzt und schweigt. Das macht er manchmal richtig gut, er sagt keinen Ton. Er gibt keine Antwort wenn ich ihn nach dem Zustandekommen der 4 in Mathe frage. Aussitzen und Schweigen, das hat er von Mutti gelernt.

Neulich habe ich bemerkt, wie ich die Hände zu einer Raute gefaltet habe. Ruhe und Kraft breiteten sich aus. Plötzlich sprach eine Stimme zu mir. „Die Macht ist in dir, Du bist zu allem fähig, all deine Ziele verwirklichen sich. Du wirst zunehmend textsicherer und verhaspelst dich nicht mehr so schnell. Bis auf bald, deine Angie.“

Ein echt starker Titel

Dapper

Fast zwei Jahre ist es her, dass ich angefangen habe an einem Roman zu schreiben. Viele mühevolle und freudige Stunden sind vergangen, nun bin ich fertig und warte erst einmal ab. Ruhen und in Geduld üben und ein bisschen nachdenken über das Leben und den Titel. Ich hatte einen wunderbaren Arbeitstitel. Er klang überzeugend, hatte Charakter und passte hervorragend zu der Story. Zur Überprüfung gab ich diesen bei Google ein und ich stellte fest, dass Ende 2017 ein Buch mit ebensolchem Titel auf den Markt gekommen ist. Es ist nicht einfach einen tollen Titel zu kreieren, die meisten sind schon vergeben. Sie gingen durch die Hände von bekannten und unbekannten Autoren, insbesondere die Titel mit den starken Wörtern.

Heute schrieb mir die Praktikantin eines renommierten Verlages, dass sie nach eingängiger Prüfung keine Publikation in Betracht ziehe. Zwei weitere Verlage stehen noch aus, doch mittlerweile weiß ich, dass kaum ein Verlag einen Newcomer nimmt. Darum bleibt das Internet, die große Chance, das Publizieren im Selbstverlag. Dafür braucht es einen überzeugenden Titel und ein schickes Cover, sowie ein vernünftiges Lektorat und ich hoffe, dass es weniger als zwei Jahre dauert…

Marilyn

Unlängst ging ich über einen sehr alternativen und preisgünstigen Trödelmarkt und kaufte ein gerahmtes Plakat von Marilyn Monroe. Die Farbzusammensetzung und der Schriftzug Andy Warhol machten einiges her. Ich hielt das Bild perfekt für den laaaangen Flur meiner Prenzlauer Berg Wohnung. Da hatte ich noch nicht mit dem Kleenen gerechnet, der stark geschminkte Frauen nicht ausstehen konnte, für ihn waren das alles Hexen, die furchterregend wirkten.

Nach einigen Versuchen hatte ich einen Nagel drin und hängte das Bild auf. Es sah absolut gelungen aus, die Stelle war perfekt von einem Bild dieser Größe und sogleich bekam der Flur einen künstlerischen Anstrich. Die herumliegenden Schuhe, Reste von Eintrittskarten, Fahrradhelme und alte Fahrradschlösser, verloren ihre Schlampigkeit durch Marilyn. Ich war absolut zufrieden und fragte den Kleenen nach seiner Meinung.

Er sagte anfangs gar nichts, nach einer Weile meinte er lethargisch auf seinem Bett sitzend, dass er Angst hätte. Der Grund war Marilyn, die direkt in sein Zimmer schaute und gruselig aussah. Die Augen, der Mund, zu über betont, die Haare zu blond. Ich meinte, dass er die Tür zumachen könnte, doch das wollte er auf keinen Fall. Er machte die Tür nie zu, außer es gab triftige Gründe, wie der Geheimbund der Handyspieler traf sich.

Ich versuchte mich in ihn hineinzuversetzen und es gelang mir. Auch ich bekam wahnsinnige Angst vor Marilyn. Sie war das Sexsymbol, die kleine Blonde, die jeden Typen abbekam, sogar den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ich stellte mir vor, wie mein neuer Freund nur noch an ihren Lippen hing und mich keines Blickes mehr würdigte. Ängstlich zitternd nahm ich das Bild ab und stellte es ganz weit weg in eine sehr dunkle Ecke des Flurs.

Nach einigen Tagen holte ich es wieder raus. Es war genug bestraft wurden. Ich brachte es an anderer Stelle an, da wo ich und der Kleene unseren Blick abwenden konnten, da wo man jeden Morgen hineinschaute und sagt hach wäre ich doch im Bett geblieben und hätte etwas Schönheitsschlaf genossen.

Marilyn hängt direkt neben dem Spiegel. Ich weiß wirklich noch nicht, ob das gut oder schlecht ist. Schaue ich besser weg oder vergleiche ich mit mir? Bekomme ich Minderwertigkeitskomplexe oder will ich jetzt ebenso strohblonde Haare? Verscheuche ich meinen neuen Freund und mache mich an den Präsidenten der USA ran? Viele Fragen sind offen und die Erkenntnis daraus ist, dass man auf jeden Fall immer gut überlegen sollte, was man sich an die Wand macht, denn es kann weitreichende Folgen haben.

Allein am Meer

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Ich fahre los, der Zug ist voll,

quetsche mich in das Polster

gute Miene zum bösen Spiel,

überall Pärchen – zu viel.

Allein sein, sagt die Therapeutenstimme ist gut für dich,

allein sein, da findest du das Ich.

Allein sein, da reist der Himmel auf.

Sonnenstrahlen regieren deinen Lauf, – irgendwohin – vielleicht zu ihm.

Ich baue den Sonnenschutz auf, Männer zu Hauf

beschweren mit ihren Blicken die Plastik.

Sie liegen nah bei ihren Frauen umrahmt von Wind und Sand,

ich drücke die Heringe in den Boden mit geübter Hand.

Ich schwimme durch die Wellen, tauche unter, wieder hoch

juchze mit mir selbst über das Naturerlebnis.

Dann strecke ich die Beine lang aus, rücke das Handtuch. Ich habe Fun,

nicht mal die vier Jungs aus Saudi Arabien machen mich an.

Ich beobachte das blasse Kind vor mir, welches sich

keinen Zentimeter von der Mutter fortbewegt.

Plötzlich, der Kleine geht baden, ich möchte gratulieren

ihm ist nichts passiert, er hat das Meer überlebt, ohne körperlichen Schaden.

Nur ein Tagesausflug, wieder rein in den Zug.

Ein älteres Pärchen. Er sagt zu ihr im Befehlston,

Warte draußen – so ein Frauchen, zu dumm für den arroganten Gockel.

Sie nickt ergebungsvoll. Sie haben sich gefunden,

zusammen in all den schweren Stunden.

Allein sein, sagt die Therapeutenstimme ist gut für dich,

allein sein, da findest du das Ich.

Allein sein, da reist der Himmel auf

Sonnenstrahlen regieren deinen Lauf, – irgendwohin – vielleicht zu ihm.

Abgetaucht

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Das Wetter war nicht sonderlich schön, es war kalt und es regnete. Sein Weg lag auf meinem. Darum beschloss ich ihm einen Gefallen zu tun. Ich bot ihm eine Mitfahrgelegenheit in den frühen Morgenstunden an. Nach langem Überlegen willigte der Kleene ein. Nachdem ich einige Pulloverwechsel ohne großes Ausrasten überstanden hatte, verließen wir die Wohnung um unseren Tagesverrichtungen nachzugehen.

Er war ruhig, sagte keinen Ton. Bei der nächsten Ampel fragte er mich, ob ich ihn an der üblichen Stelle, etwas weiter weg vom Schuleingang rauslassen könnte. Ich tönte etwas von Möglicherweise. Ich hatte gelernt mich niemals festzulegen.

Wir näherten uns dem Zielort, als er plötzlich die Kapuze über seinen Haarschopf zog und seinen Oberkörper gen Boden neigte. Er tauchte ab. „Was machst du da?“, fragte ich. Ich erhielt keine Antwort. „Du musst dich nicht verstecken, dich sieht keiner durch die Scheiben. Das muss dir nicht peinlich sein, dass ich dich zur Schule bringe“, sagte ich laut. 

Er blieb stumm. Er war noch immer damit beschäftigt seine Position zu halten. Ich zog die Brauen nach oben. Langsam, mit Tempo 30 fuhren wir an dem Schulgebäude vorbei. Die Kindergruppen verdichteten sich. Schulkinder allein, zu zweit oder mit ihren Eltern. Ich bog in die Seitenstraße ein. Es handelte sich um die Parkzeile in der Agent 007 unbehelligt aussteigen konnte. Vorsichtig drehte ich den Autoschlüssel um. Der Motor schnurrte leise ins Aus.

Sind wir da?“ zischte er nach vorn.

Ich nickte. Dann richtete er seinen Körper auf und rotierte den Hals. Er öffnete die Autotür. Stumm setzte er seine neuen Schuhe auf den Asphalt. Sie leuchten Neon. Konnten sie ihm zum Verhängnis werden? Routiniert überquerte er die Straße. Von Weitem wies er mir einen zähnezeigenden Blick zu, der sich sekundenschnell verkühlte.